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Kaum WAR es ruhig ...

BeitragVerfasst: Mi, 16.04.2008 15:43
von pks
Gerade gefunden:
Nur wieso eigentlich ... kaum ist es ruhig? Überall die gleichen Sorgen, überall die gleichen dummen Ausreden der DSK,
überall zerstörte Infrastruktur, überall schweigt der Konzern. Und NRW erlebt seit vielen Jahren schon, was Generationen-
schäden bedeuten. Nur dort beschweren sich nicht nur die Bürger - auch die eigenen DSK Mitarbeiter haben die Nase
voll von diesem verdummenden und hinhaltenden Taktieren des Konzerns. Und man staune, selbst die äußerst linke
Szene dort macht mächtig Druck auf die Verantwortlichen in DSK und IGBCE.


Bergbauschäden so weit das Auge reicht
16.04.2008
Tagtäglich bangen die Kirchhellener im Bergbaugebiet um ihre Häuser

Kirchhellen - Kaum sind die Aufregungen um das schwere Erdbeben im Saarland abgeebbt, die Schicksale der zu Schaden gekommenen Familien und Hausbesitzer aus der Tagespresse verschwunden, wird es wieder ruhig um das umstrittene Thema Bergbau.

Doch hier in Kirchhellen haben die Menschen tagtäglich mit den Folgen des immer weiter und vor allem immer schneller fortschreitenden Kohleabbaus zu kämpfen. Angefangen mit Rissen in der Wand bis zur Schieflage einiger Häuser zeigen sich die Bergbauschäden hier im Dorf in aller Deutlichkeit. Vieler Orts ist mittlerweile sogar die Abrissbirne im Einsatz, denn wirklich zu retten sind die Gebäude meist nicht mehr.

Häufig entstehen die Schäden zwar nicht durch die Erdbeben, sondern durch das Absacken der Gesteinsschichten, trotzdem sind es gerade die Erderschütterungen, die die Menschen Angst und Bange werden lassen. Was, wenn sich ein Beben wie im Saarland auch hier ereignet? Doch die RAG hält immer noch an ihrem Kurs fest: „Erderschütterungen wie im Saarland sind in NRW nicht möglich.“

„Etwas kategorisch auszuschließen, das ist immer problematisch“, sagt hingegen Dr. Klaus-G. Hinzen, Mitarbeiter der Erdbebenstation Bensberg. Zwar werden im Ruhrgebiet bisher keine so starken Erschütterungen wie im Saarland gemessen, jedoch bebt die Erde hier im Kreis fast täglich. „Im Ruhrgebiet haben wir das Problem, dass, wenn wir die obersten Bodenschichten betrachten, wir feststellen müssen, dass diese Schicht sehr weich ist“, so Dr. Klaus-G. Hinzen im Gespräch mit LebensArt, „das verhält sich wie ein Wackelpudding der oberhalb des Festgesteins liegt.“ Dadurch könne bei es einem Erdbeben zu einem Verstärkungseffekt kommen. Anders als bei festen und dicken Bodenschichten, die das Beben abdämpfen, wirkt die lose Schicht eher verstärkend.

Wurden durch die DSK im Jahr 2003 in einer Stellungsnahme zur „Abbaueinwirkungen auf das Oberflächeneigentum“ noch 6 Objekte mit schweren Schäden prognostiziert, waren es 2007 schon 45 Objekte. „Das zeigt doch die rasante Entwicklung“, sagt Stephan Heitmann vom "Initiativkreis Bergbaubetroffener Bürger" (kurz IBB). Mit einer Demonstration vor der Essener Evonik-Zentrale machten die Kirchhellener ihrem Ärger Luft daher im vergangenen Monat Luft. „Die Demonstration hat ganz deutlich gezeigt, das wir gemeinsam mit den Saarländer ein Verbund sind und uns gegenseitig unterstützen“, so Michael Farien, Vorsitzende rdes IBB.

Dabei formulierte der IBB ganz klare Forderungen an die Verantwortlichen. „Wir fordern, dass das Abbaufeld unter Wohngebiet vernachlässigt wird und bis zum Ende der Abbauzeit die anderen Abbaufelder stärker genutzt werden“, sagt Stephan Heitmann. Zudem fordere der IBB einen schonerenden Abbau und nicht immer neue Förderrekorde, wie sie derzeit auf Prosper Haniel praktiziert würden. Gleichzeitig fordert der IBB schon seit Langem eine Aufstellung der Kosten, welche der Stadt durch Bergbauschäden entstünden. „Es gibt da einfach keine Zahlen, scheinbar kann oder will die Stadt Bottrop das gar nicht nachhalten.“

Die Stadtverwaltung hält sich mit Stellungnahmen zurück und verweist auf die politischen Entscheidungen, die es einzuhalten oder neu zu formulieren gilt. Ende April (22.4.) wird sich der Hauptausschuss mit Vertretern der für den Bergbau zuständigen Bezirksregierung Arnsberg sowie Vertretern der RAG treffen, um sich gemeinsam zu beraten. Zwar war dieses Treffen bereits für den 2. April im Planungsausschuss angedacht, musste jedoch wegen einer Terminüberschneidung seitens der RAG verschoben werden. Anders als beim Bergwerk Lippe, dass ja bekanntlich statt Ende 2009 schon in diesem Jahr schließen wird, ist eine Entscheidung hinsichtlich eines vorzeitigen Aus für den Bergbau in Bottrop nicht anzunehmen. „Wir möchten wissen, wann nun Prosper Haniel schließen wird, denn nicht nur wir, sondern auch die Bergleute brauchen Planungssicherheit“, so Michael Farien und Stephan Heitmann.

Betroffene Bürger können sich übrigens gerne beim IBB melden Weitere Infos finden Sie im Internet unter http://www.initiativkreis-kirchhellen.de. gk

Quelle: Kirchhellen regional (16.04.2008)

und am 06.04.2008 in WELT online:


6. April 2008, 04:00 Uhr
Von Peter Lamprecht
Bergbau beschädigt Häuser im Revier

Erdbebenwarte registrierte mehr als 2000 Erschütterungen in zehn Jahren durch den Kohleabbau in NRW. Schadenersatz kostet 300 Millionen Euro pro Jahr. Betroffene fordern: "Ausstieg sofort"

Die Autobahn 57 erinnert seit gestern und voraussichtlich bis Ende Juni daran, dass in NRW noch auf etliche Jahre Steinkohlenbergbau betrieben wird. Zuerst werden die Fahrspuren zwischen dem Kreuz Kamp-Lintfort und Asdonkshof enger. Denn die Fahrbahn in Richtung Köln muss wegen akuter Absenkungen abgetragen und in einer Stärke von 1,20 Metern völlig neu aufgebaut werden.

Nach vier Wochen folgen die gleichen Bauarbeiten in der Gegenrichtung. Die Kosten, etwa zwei Millionen Euro, bezahlt die RAG Deutsche Steinkohle. Denn der Kohleabbau habe die "Zerrungen und Diskontinuitäten" in der Fahrbahn ausgelöst, sagt die RAG.

So einvernehmlich geht es nicht immer zu zwischen dem Bergbaubetreiber aus Herne und denen, die als Hauseigentümer oder Mieter von Erderschütterungen, Senkungen, Wand- oder Bodenrissen als Folgen des Bergbaus betroffen sind.

Das wurde am Donnerstag bei einer Anhörung im Landtag deutlich, zu der die FDP-Landtagsfraktion eingeladen hatte. Während fast gleichzeitig die 1800 Beschäftigten des Bergwerks Lippe (Gelsenkirchen, Herten, Dorsten) über die vorzeitige Schließung ihrer Zeche zum Jahresende und über ihre Zukunft informiert wurden, sagte der Vorstandssprecher des Landesverbandes der Bergbaubetroffenen, Klaus Friedrichs, im Landtag: "Bei der Beendigung des Bergbaus darf die Sozialverträglichkeit nicht nur bei den Arbeitnehmern sondern muss auch bei den Bergbaubetroffenen Anwendung finden."

Schon seit Jahrzehnten allerdings gehen die Bewertungen der sogenannten "Bergschäden" zwischen beiden Gruppe weit auseinander. Immerhin nennt die RAG auf Anfrage die Zahl von "50 000 Meldungen pro Jahr" - aber "darunter sind auch allgemeine Anfragen". Die Erdbebenstation Bensberg registrierte in den vergangenen zehn Jahren 2033 "bergbaulich bedingte Erdstöße", darunter die meisten 2006 - in dem Jahr, in dem die politischen Verhandlungen über den Bergbau-Ausstieg begannen.

Bei den wirklichen Schäden gehe es in über 90 Prozent der Fälle um Beträge unter 5000 Euro, sagt die RAG. Jede Jahr gebe es um die 40 Gerichtsverfahren, aber Urteile zu Lasten des Unternehmens nur "im einstelligen Bereich". Und schließlich: "Die Kosten pro Tonne Förderung betragen sieben bis acht Euro." Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, präzisiert die Ausgaben der RAG insgesamt auf "300 Millionen Euro pro Jahr".

Obwohl viele Schäden offensichtlich außerhalb der Gerichte im Einvernehmen geklärt werden, überwog unter den 120 Teilnehmern der FDP-Anhörung die Verbitterung über den Verhandlungspartner RAG und die Missachtung durch die bisherige amtliche Landes- und Kommunalpolitik. Während Häuser am Niederrhein um fünf bis zehn Meter absinken, Wände wackeln, Kinder aus dem Schlaf gerissen werden und Böden aufreißen, feilscht das Unternehmen gern um jeden Euro, und viele Stadtobere schauen weg.

Klaus Wagner aus Altendorf-Ulfkotte bei Dorsten beispielsweise lebte mit seiner Familie anderthalb Jahre im Container. Monatelang zogen sich die Verhandlungen um die Sanierungskosten für sein Haus hin, das durch den Kohleabbau des Bergwerks Lippe unbewohnbar geworden war. Schließlich gab die RAG grünes Licht zur Erneuerung, die 150 000 Euro kostete. "Jetzt verlangen sie 60 000 Euro Eigenbeteiligung von uns, weil durch die Sanierung der Wohnwert gestiegen ist", berichtete der Eigentümer.

Vor allem der immer öfter spürbare Abbau großer Flächen mit hohem Tempo führt nach den Erfahrungen der Betroffenen zu den größten Oberflächenschäden. Wenn sich dann Wandrisse zeigen und Fußböden heben, kommt es vor, dass die RAG "mit freundlichem Glückauf" auf mögliche andere Ursachen verweist: Solche Schäden könnten schließlich auch durch unsachgemäßes Verlegen von Laminat entstehen, ließ das Unternehmen den Hauseigentümer Karlheinz Rocher in der vor Jahren teuer sanierten Bergmannsiedlung Bergkamen-Rünthe wissen.

Hochwassersorgen bewegen die Bewohner hinter den Deichen des Niederrheins. Eine Modellrechnung des Umweltministeriums ergab: Wenn der höher liegende Rhein die Deiche an einer Stelle in Richtung des tiefer abgesunkenen Hinterlandes durchbricht, "dauert es nur drei Tage, bis ganz Rheinberg unter Wasser steht", sagte Ulrich Behrens aus Rheinberg.

"Bergbau-Ende sofort", forderten viele der Sprecher bei der Anhörung. Während die RAG nach wie vor Stillschweigen über
ihre weiteren Stilllegungspläne bewahrt, kamen Einzelheiten der Planung allerdings in Berlin ans Licht.


Danach sollen die Zechenschließungen offenbar in dieser Reihenfolge vor sich gehen: Zeche Walsum (Sommer 2008), Bergwerk Lippe (Dezember 2008), Bergwerk Ost, Hamm (2010), Bergwerk West, Dinslaken (2012), Auguste Victoria, Marl (2016). Als letzte Bergwerke schließen Ibbenbüren und Prosper Haniel, Bottrop/Oberhausen (2018).

Erstaunlich, wie mutig ein Regionalverband und die WELT dort berichten. Wie offen, wie ehrlich und mit wieviel Sachverstand.
Schade, das hätten wir sicher alle gerne auch hier im Saarland.

Ãœbrigens,
Man sieht sich
pks

Re: Kaum WAR es ruhig ...

BeitragVerfasst: Mi, 16.04.2008 18:54
von PEACE
Gebe Dir Recht, PKS!
Da könnten sich die saarländischen Medien ganz sicher ein gutes Stück abschneiden!!!
Welt online berichtet Fakten und wagt offene Statements ... trotz machtvoller Kohlelobby!