Sozialverträglicher Rückbau

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Sozialverträglicher Rückbau

Beitragvon Gast » Sa, 18.06.2005 10:52

Um mal eins klar zu stellen: Wenn man schon einseitig von sozialverträglichem Arbeitsplatzabbau im Steinkohlebereich spricht, dann sollte man bitte auch die Ergebnisse des Isoplan-Gutachtens berücksichtigen. Während im Ruhrgebiet nach Bekunden von SPD-Landesregierung und RAG weitere 1,5 Arbeitsplätze an jedem Job im Bergbau hängen, waren es nach Isoplan im April 2002 im Saarland gerade einmal 0,68 Folgearbeitsplätze.

Zwischenzeitlich hat die RAG kräftig bei den saarländischen Folgearbeitsplätzen "bereinigt". Angefangen bei den Busfahrern über die Zulieferer aus Baustoffindustrie und so weiter.

Über den Schwachsinn wertlose Kraftwerkskohle zu fördern möchte ich dabei noch nicht einmal eingehen.

Wer also von sozialer Verträglichkeit spricht, sollte sich klar vor Augen halten, dass diese beim Abbau von Bergbauarbeitsplätzen zu allererst hier im Bereich des Bergwerks Saar stattfinden kann.

Ansonsten empfehle ich zwei aktuelle Zeitungsartikel:

Die schwarze Zukunft der Kohle

Es sei "gegen jede wirtschaftliche Vernunft", die Kohleförderung in Deutschland künstlich am Leben zu halten, heißt es beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. "Mit jedem Euro, den man bei den Kohlesubventionen einspart, würden in anderen Bereichen mehr Arbeitsplätze entstehen als durch die Streichung vernichtet werden", sagt Manuel Frondel, Leiter des Bereichs Umwelt und Ressourcen beim RWI.


"Rund drei Viertel der deutschen Förderung entfallen auf die weniger wertvolle Kraftwerkskohle. Dabei fallen Kosten von 160 Euro pro Tonne an, der Einkaufspreis am Spotmarkt liegt aber nur bei 61 Euro." Somit sei der Abstand zum Weltmarktpreis immer noch riesig.


RAG soll Kumpels neue Jobs anbieten

Der Mutternkonzern RAG (früher Ruhrkohle AG) sei gefordert, den Bergbaubeschäftigten neue Arbeitsplätze in den bergbaufernen, so genannten weißen Bereichen zu vermitteln, betonte Frondel. So könnten auch betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden


Nach Schätzungen Frondels muss neben den bereits von RAG und der Konzern-Tochter Deutsche Steinkohle beschlossenen vier Zechenschließungen bis 2010 aber mindestens ein weiteres Bergwerk dicht gemacht werden


Wer sich in der letzten Zeit mit den Aussagen Werner Müllers zum Saarland beschäftigt hat, weiss ganz genau welches Bergwerk dies sein wird. Vorher will man aber allem Anschein nach mit einer Politik der verbrannten Erde im Gewaltmarsch noch eine Schadensmaximierung anzustreben...
Gast
 

Beitragvon jürgen » Sa, 18.06.2005 12:04

Wenn Werner Müller den Gedanken hegt,die letzte Zeche im Saarland zu schließen und somit Tausende von Arbeitsplätzen wegfallen ist das nur das Resultat des Geredes vom Auslaufbergbau.Er wäre doch töricht wenn er hier weiter Kohle abbauen würde wo er nicht willkommen ist.
Diesen sozial nicht abzufangenen Arbeitsplatzabbau haben sie mit zu verantworten.
Soziale Unruhen sind vorprokrammiert.Aber wie immer werden Sie auch dafür einen Fachmann zur Hand haben ,der darauf eine Ihnen genehme
Antwort weiß.
Außerdem fördern wir keine wertlose Kraftwerkskohle sondern versorgen schon seit Jahren Saarländische Kraftwerke zuverlässig mit Brennstoff.
Das sollten Sie bedenken wenn sie wieder so einen (Schwachsinn) von sich geben.
jürgen
 

Beitragvon Gast » Sa, 18.06.2005 12:34

Es ist bemerkenswert mit welcher Energie Sie versuchen den vom Bergbau betroffenen Menschen auch noch die Schuld für eine verfehlte Subventions- und Firmenpolitik in die Schuhe zu schieben.

Es ist nun einmal Tatsache, dass die Kohle seit den 50er Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig ist und dass das Festhalten an dem antiquierten heimischen Steinkohlebergbau den Steuerzahler seit Jahrzehnten hunderte von Milliarden Euro gekostet hat.

Wie von allen möglichen Sachverständigen im Bereich Wirtschaft in den letzten Jahren immer wieder betont wird, kostet das Festhalten an der Steinkohleförderung Arbeitsplätze". Anders formuliert: Würden die Gelder ordentlich verwandt, könnte man wesentlich mehr Arbeitsplätze vorhalten, als es heute bei Ihnen der Fall ist. Gerade Sie Jürgen, der es in der Vergangenheit zur Aufgabe gemacht bekommen hat die Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen, die Gutachten des Umweltbundesamtes, die Gutachten und Aussagen des Ifo-Institutes mit Hans-Werner Sinn und unzähliger anderer zu studieren, sollte dies bestens wissen.

Doch Gutachten hin oder her. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die Bundesrepublik bis 2008 Defizite von 60 bis 80 Milliarden Euro erwartet und es nicht so einfach möglich ist mal eben Jahr für Jahr 2,5 Milliarden Euro an Subventionen für einen Bereich locker zu machen, der nicht nur unproduktiv ist - sondern anderen Menschen zudem auch noch die Gesundheit und Altersvorsorge beschädigt.

Es liegt nun nicht zuletzt an Ihnen und Ihren Kollegen, dafür zu sorgen, dass die RAG die zuletzt genehmigten Subventionen für den Strukturwandel und damit für die weitere Sicherung der eigenen Arbeitsplätze einsetzt. Heute haben Sie noch die Chance tausende Mitstreiter aus den Reihen der Bergbaubetroffenen zu bekommen.

Wenn jedoch die Politik der verbrannten Erde fortgesetzt wird und Nalbach, Saarwellingen, Lebach, Hülzweiler die letzten Opfer einer verfehlten Politik spielen sollen, wird es wohl vielen Menschen hier gewaltig am Allerwertesten vorbei gehen, ob Sie in Zukunft die Gelegenheit haben wie Millionen andere die "Vorzüge" von Hartz IV zu geniessen.

Zum Schluß noch zur heimischen Kraftwerkskohle: Wie Sie ein paar Zeilen weiter oben nachlesen können, legt der deutsche Steuerzahler bei derzeitigen "Höchstpreisen" am Kohlemarkt noch immer etwa 100 Euro pro geförderter Tonne heimischer Steinkohle drauf. Es handelt sich meiner Meinung nach um eine Steuergeldvernichtung ohne gleichen.
Gast
 

Mitstreiter

Beitragvon Gast » So, 19.06.2005 20:14

Gast schrieb:
Es liegt nun nicht zuletzt an Ihnen und Ihren Kollegen, dafür zu sorgen, dass die RAG die zuletzt genehmigten Subventionen für den Strukturwandel und damit für die weitere Sicherung der eigenen Arbeitsplätze einsetzt. Heute haben Sie noch die Chance tausende Mitstreiter aus den Reihen der Bergbaubetroffenen zu bekommen.

Ich kann dem nur zustimmen. Weder die Kumpels noch die Bergbaubetroffenen können was dafür, dass die Politik über Jahre versagt hat, dass sie über Jahre nur die billige Lösung gewählt hat, den einfachen Weg gegangen ist, der da heisst: abkassieren und warten, dass alle schön still bleiben. Kein Politiker hat ernsthaft die Rahmenbedingungen für einen Ausstieg aus der Kohle forciert, hat Konzepte entwickelt, die auch für die Bergleute zukunftsfähige Arbeitsplätze liefern. Und heute spielt die Politik mit den Bergleuten - und den Betroffenen. Nur wenn sich Bergleute und Betroffenen zusammen schliessen, Solidarität zeigen füreinander, kann eine sinnvolle und tragfähige Lösung gefunden werden. Denn auch die Bergbaubetroffenen sehen es lieber, wenn alle dauerhafte Arbeit haben, auch für die 50.000 Arbeitslosen! - wohl gemerkt. Das sollten die Bergleute einfach mal bedenken.
Gast
 


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