Frage an die Befürworter des Bergbaus

Politische Hintergründe, Aussagen, Anfragen, ... zum Thema Bergbau und Kohleabbau. Alles was sich Parteien oder Funktionsträgern zuordnen lässt.

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Frage an die Befürworter des Bergbaus

Beitragvon Hansi » Do, 24.01.2008 22:27

Ich habe eine einfache, sehr ernst gemeinte Frage an alle SPD-Landes-Politiker, IGBCE- und RAG-Funktionäre, und alle Befürworter des derzeitigen Bergbaus,
die mir bisher leider noch keiner beantworten konnte/wollte/durfte:

Derzeit üben verschiedene Personen (Jost, Geuskens...) mal wieder pauschal öffentlich Kritik am Protest der Bergbau-Betroffenen.
Was erwarten Sie - liebe Bergbaubefürworter - von uns Betroffenen ?
Welche Reaktion auf die fortwährende Erdbeben-Belastung würden Sie für angemessen halten ?
Würden Sie unsere Position als "fair behandelt" bezeichnen ?
Wo liegt für Sie die Grenze der Belastbarkeit, ab der - bei weitergehenden Belastungen - massivere Reaktionen angebracht wären ?

Ich erwarte zwar keine klaren Positionen, aber vielleicht hat ja einer der - zweifellos mitlesenden - Angesprochenen
so viel Rückgrat, seine Position näher zu definieren.
Ein "so nicht" hat man schon oft gehört. Nur ein "so wär`s recht" kann aber einem ernstgemeinten Lösungsansatz vorausgehen.

Bitte geben Sie - lieber Bergbaubefürworter - mir doch einmal eine klare Antwort !
Vielen Dank.
Gib der Kohlelobby keine Chance !
Hansi
 
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Re: Frage an die Befürworter des Bergbaus

Beitragvon optimist » Sa, 26.01.2008 23:09

Hallo Hansi,
(ich bin zwar direkt in dem Sinne sozusagen kein Befürworter des Bergbaus; ich arbeite allerdings in einem Unternehmen, dessen Abbaufolgen leider sehr spürbare negative Auswirkungen auf die Oberfläche haben)

es ist leider nicht sehr einfach, hier pauschal eine Antwort zu geben. Ich versuche mal, meine Ansicht darzulegen und ich hoffe, ich kriege es ohne Missverständnisse hin, aber falsche Interpretationen kann man in weiteren Antworten ja richtig stellen.

Es gibt ja mehrere „Arten“ von Bergbaubetroffenen, die einen haben nichts mit dem Bergbau zu tun, die anderen verdienen ihr Geld damit. Die Erschütterungen treffen aber alle unabhängig davon, wie sie zum Bergbau stehen. Nun fallen auch die Reaktionen auf diese Erschütterungen sehr unterschiedlich aus. Speziell hier im Forum machen sich viele ihrem Ärger und Zorn Luft in durchaus verständlicher und nachvollziehbarer Art und Weise. Man merkt ja doch in der Ausdrucksweise diese „Ohnmacht“ den Erschütterungen gegenüber, und glauben Sie mir, kein Mensch, egal in welcher Position, ist darüber glücklich.

Nun ist es aber an sich einfach, gegen die DSK als Instution als solches zu schimpfen, ohne hinter die „Mauer“ zu schauen, denn die DSK besteht ja nicht nur aus Gegenständen, sondern auch aus Menschen mit all ihren Bedürfnissen und Meinungen und Problemen vom Bergwerksdirektor angefangen bis zur Putzfrau. Darum finde ich es nicht schön, wenn in Teilen des Forums Personen massiv „niedergemacht“ werden, obwohl sie streng genommen doch nur ihre Arbeit tun oder ihre Überzeugung vertreten, die dann aber nicht in die Denkweise Anderer passt. Jeder Mensch hat seine Meinung, seine Vorstellung und seine Eigenarten und nur weil einer nicht der eigenen Meinung ist, oder man ihn nicht überzeugen kann, ist er doch kein Aussätziger. Wie oft im Leben entwickeln sich Dinge anders als geplant.

Wenn ich (zaubern) könnte, würde ich einfach mal das Lebensumstände der Nichtbergbaubeschäftigten, die unter den Erschütterungen leiden und die Bergbaubeschäftigten (die diese Erschütterungen noch nicht gespürt haben) gegeneinander austauschen. Dann könnten diese Bergbaubeschäftigten diese wahrlich nicht schönen Zustände live erleben. Im Gegenzug könnten die Nichtbergbaubeschäftigten die Arbeiten im Bergbau kennen lernen und im Forum die Meinungen über sich nachlesen. Für das bessere Verständnis gegenseitig wäre das die ideale Möglichkeit – aber leider nur ein Wunsch.

Fakt ist doch: Jeder, der nichts mit dem Bergbau zu tun hat und diesen leider heftigen Erschütterungen hilflos ausgesetzt ist, fordert verständlicherweise das sofortige Ende des Bergbaus. Das die Belastungsgrenzen da schnell erreicht sind, ist auch verständlich und nachvollziehbar. Und wo soll man diese Wut denn rauslassen, wenn man sich von der Politik (die ja dauernd das Ende ankündigt und Hoffnungen erzeugt) und Gesetz im Stich gelassen fühlt? Wenn man um seine Gesundheit und Eigentum fürchtet? Wenn die Kinder Angst haben?
Nun die Gegenseite, die genau diese Probleme „spiegelverkehrt“ haben, zwar einen anderen Hintergrund, aber halt auch Ängste und Ohnmacht.

Was erwarte ich von den nichtbergbaubeschäftigten Betroffenen?
Ich verstehe es und kann es nachvollziehen, dass diese ihren Protest auf die Straße tragen und auf ihre Lage hinweisen. Ich bitte aber um Verständnis für andere Menschen, die die Sache mit einem anderen Sichtwinkel betrachten. Wenn ich es auch verstehen kann, wünschte ich doch, dass Beleidigungen von Personen nicht in dieser Form stattfinden würden. Diese Forum ist zurzeit noch öffentlich, auf der ganzen Welt können die Beiträge gelesen werden – soll heißen – es ist nicht so anonym wie man glaubt. Wenn jemand unter Bezug dieses Forums Anzeige wegen Beleidigung erstattet, könnte er gute Karten haben.
Man sollte, wenn’s auch in der ersten Wut schwer fällt, auch anders denkende Menschen so behandeln, wie man selber behandelt werden möchte. Man sollte sich immer noch in die Augen sehen können und die Kritik in der Sache und nicht in der Person austragen. Ich persönlich warte lieber mal 24 Stunden, bevor ich mich in einer Aufregung zu einer Äußerung (die man ja noch Jahre später nachlesen kann) hinreißen lasse, die ich später bereuen würde. Auch wäre eine Eskalation in Gewalt das schlimmste, was passieren könnte.

Ich will die Ereignisse nicht schönreden, aber ich wünschte mir einen fairen Umgang miteinander. Ich würde gerne auch persönlich mit Betroffenen diskutieren können, ohne Angst zu haben - ich sag mal einfachhalber- "vermöbelt" zu werden

Ich weiß nicht, ob diese Antwort so dem entspricht, was mit der Frage gemeint war.

Mit freundlichen Grüßen
Optimist
wir sind das A u f s t e i g e r l a n d - denn wahrlich, absteigen können wir gar nicht mehr - wir stehen doch schon auf dem untersten Platz
optimist
 
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Re: Frage an die Befürworter des Bergbaus

Beitragvon wolfgang » So, 27.01.2008 1:37

Hallo Optimist,
im grossen und ganzen hören sich deine oben genannten Ausführungen nicht schlecht an(würde jedermann sagen, der ausserhalb unseres Bebengebietes liegt). Aber die Realität ist doch eine ganz andere. Ein altes Sprichwort lautet: Jeder Mann sollte eine Familie gründen, ein Kind zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen und dann in Ruhe und Frieden
für seine Familie die Zukunft gestalten können. Das haben in der Primsmulde tausende von Männern mit ihren Familien auch
vorgehabt, sonst hätten sie sich hier nicht angesiedelt. Doch was passiert, die Zukunft dieser Familien wird zerstört durch einen Konzern, der auf Teufel komm raus seinen Profit machen will, ohne Rücksicht auf Verluste. Und das musst du mir zugestehen, das ist einmalig in Deutschland; das gibts tatsächlich nur noch in den sogenannten Bananenrepubliken. Wo gibt es sonst noch so was wo Bergrecht vor Zivilrecht geht. Das ist einmalig. Und darauf sollen wir Deutschen noch stolz sein?(Ich persönlich - damit wir klar sehen - dies ist meine persönliche Meinung - schäme mich dafür - schäme mich mittlerweile dafür ein Deutscher, ein Saarländer zu sein).
Über die Ausländer, die bei uns straffällig auffallen wird gross bundesweit diskutiert, aber über uns, deren Häuser (waren mal als unsere Altersvorsorge gedacht und wenn es so weiter geht können wir uns dann letzendlich noch eine 2-Zimmer Wohnung
mieten, da unsere Häuser für die wir ein Leben lang gearbeitet haben nur noch Schrott sind) peut a peut zerstört werden
kümmert sich (entschuldige jetzt die Fäkalsprache) kein Schwanz.
Auch ich bin persönlich davon betroffen. Scheidungs- und damit auch finanziell bedingt bin ich gezwungen mein Haus in Bilsdorf zu verkaufen. (120qm Wohnfläche, Grundstück 1500 qm). Der offizielle Schätzwert liegt bei 135.000 EUR; der
Minderwert durch die mittlerweile im gesamten Saarland bekannten Beben in unserem Raum liegt zur Zeit bei 92.000 EUR.
Ich arbeite seit mittlerweilen 38 Jahren ununterbrochen in einem grossen saarländischen und nicht subventioniertem Stahlunternehmen und kann dir nur eines sagen , dass ich durch die Beben bisher keinen Käufer gefunden haben und wie
ich das sehe auch keinen finden werde; das heisst im Endeffekt ich muss persönliche Insolvenz anmelden, wenn es so weiter geht.
Aber was ich - und ich komme jetzt zum Schluss - letztendlich sagen will ist, dass ein Unternehmen wie die DSK
bzw. EVONIK weder auf die Belange ihrer Mitarbeiter noch auf die anderer Menschen Rücksicht nimmt. Profit geht leider über alles, und so hat man auch leider etliche Politiker (unsere Volksvertreter) in ihren Gehaltsbüchern.
Übrigens, wenn du sehen willst, wie die DSK Risse in Häusern ausbessert, dann komm zu mir, du kannst gerne Bilder
machen. Am kommenden Montag wird meine Hausfront von über 15 Rissen vom Dachstuhl bis zum Sockel von einer beauftragten Firma der DSK und im DSK JARGON zu sagen "verfüllt". Du kannst auch gerne Bergleute mitbringen damit diese
sich das auch mal ansehen können. In diesem Sinne noch eine bebenfreie Nacht und G L Ü C K AB
Übrigens Adresse: Wolfgang Schäfer - Dorftr. 17 - 66809 Nalbach-Bilsdorf
wolfgang
 
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Re: Frage an die Befürworter des Bergbaus

Beitragvon ich » So, 27.01.2008 8:57

optimist hat geschrieben:Nun ist es aber an sich einfach, gegen die DSK als Instution als solches zu schimpfen, ohne hinter die „Mauer“ zu schauen, denn die DSK besteht ja nicht nur aus Gegenständen, sondern auch aus Menschen mit all ihren Bedürfnissen und Meinungen und Problemen vom Bergwerksdirektor angefangen bis zur Putzfrau. Darum finde ich es nicht schön, wenn in Teilen des Forums Personen massiv „niedergemacht“ werden, obwohl sie streng genommen doch nur ihre Arbeit tun oder ihre Überzeugung vertreten, die dann aber nicht in die Denkweise Anderer passt.


Hallo Optimist, ich habe zwischenzeitlich null Verständnis mehr für Argumentationen, wie du es eben getan hast. Was hier stattfindet ist platt gesagt Krieg gegen einen Großteil der Bevölkerung des Landkreises Saarlouis. Panik, Tränen, Wut kommen bei den Betroffenen nicht wegen irgendwelcher Ideologien oder Weltanschauungen, sondern weil hier ein profitorientiertes Unternehmen mit aller Gewalt Subventionen vom Staat abschöpfen möchte.

Wenn du schreibst, dass hier im Forum Personen massiv niedergemacht werden, dann führe bitte mal auf wen du konkret meinst. Bergbaubeschäftigte sind bislang nämlich nicht angesprochen. Dafür aber ganz massiv Funktionäre, welche mit ihrer Weltanschauung für eine massive Verletzung von Menschen- und Grundrechten eintreten. Das die Angriffe allzuhäufig in den Fäkalbereich abschweifen ist vielleicht nicht schön und widerstrebt in den meisten Fällen auch mir, aber mehr als verständlich.

Zurück zum eigentlichen Thema: Wer sagt "strenggenommen wird doch nur die Arbeit getan" sollte sich doppelt und dreifach die Auswirkungen überlegen. Es handelt sich nach 8 Jahren schrecklichsten Bebenterrors ganz sicher nicht mehr um "eine neue Situation", wie es uns immer noch nach fast jedem Beben von der DSK verkauft wird. Im Gegenteil man kennt ganz genau die verheerenden Auswirkungen und macht ohne Rücksicht auf Verluste weiter.

Ich habe bislang auch von dir keinen Ton gehört, warum man in NRW sozialverträglich vier Bergwerke zu machen kann, die jüngeren zum Teil dann noch ins Saarland schickt, bis eine sozialverträgliche Lösung gefunden ist und hier damit zusätzlichen Druck für die "wertvollen" Arbeitsplätze hat. Die Beschäftigungszahlen der Bergwerke sind durchaus vergleichbar und wenn ein Herr Geuskens heutzutage in der Presse noch von rund 10.000 betroffenen Arbeitsplätzen spricht, muss man sich wirklich fragen, ob er noch ganz dicht ist. Geeignete (und mittlerweile veraltete) Studien und Zahlenmaterial liegen schon seit Jahren vor. Die Zulieferer haben längst ihre Arbeit gemacht, Herr Geuskens heizt durch seine Übertreibungen dagegen die Stimmung im Land auf, wie man es von einem vernunftbegabten Menschen nicht erwarten kann.

optimist hat geschrieben:Jeder Mensch hat seine Meinung, seine Vorstellung und seine Eigenarten und nur weil einer nicht der eigenen Meinung ist, oder man ihn nicht überzeugen kann, ist er doch kein Aussätziger. Wie oft im Leben entwickeln sich Dinge anders als geplant.

Wenn durch die Überzeugung massive Einschränkungen der gesetzlich garantierten Grundrechte, wie insbesondere auch der Gesundheit, daran hängen, ist es mehr als das Recht der betroffenen Menschen hierauf aufmerksam zu machen. Was erwartest du? Dass auch bei uns nicht jeder ein hohes Studium absolviert hat und darin geübt ist sich fein auszudrücken, auch wenn man gerade mal wieder in Panik um sich selbst, die Kinder oder Eltern eines dieser abartigen Erdbeben miterlebt hat, ist ja wohl klar. Jeder hat seine Stärken. Der eine schraubt halt besser Autos zusammen und lässt dann seinen Emotionen verbal eher mal unmißverständlich den notwendigen Freiraum, um Dampf abzulassen, der andere versteckt die Wut geschickter hinter hochtrabenden Worten. An der Situation verbessern tut beides nichts.


optimist hat geschrieben:Was erwarte ich von den nichtbergbaubeschäftigten Betroffenen?
Ich verstehe es und kann es nachvollziehen, dass diese ihren Protest auf die Straße tragen und auf ihre Lage hinweisen. Ich bitte aber um Verständnis für andere Menschen, die die Sache mit einem anderen Sichtwinkel betrachten. Wenn ich es auch verstehen kann, wünschte ich doch, dass Beleidigungen von Personen nicht in dieser Form stattfinden würden.

Genau diese Ignoranz ist es, welche das Faß zum überlaufen bringt. Nach 8 Jahren hinalten, vertrösten, verharmlosen, ignorieren alleine auf Kosten der Bergbaubetroffenen gibt es hier wohl niemanden, der auch nur einen Millimeter Verständnis für Menschen aufbringt, welche bewusst diese Situation in Kauf nehmen, um einen eigenen warmen Hintern zu haben. Eine Lösung wie bei Saarstahl oder zig anderen Unternehmen, welche ähnliche Situationen in der Vergangenheit erfolgreich bewältigt haben muss her. Nicht irgendwann, sondern sofort. Und solange die Politik, die Bergbaubeschäftigten, die Betroffenen nicht dafür eintreten, muss man sich gefallen lassen Kritik einzustecken.

Was die Beleidigungen angeht: Wenn du etwas entdeckst, was über die Stränge schlägt, schick eine Nachricht an die Moderatoren oder drück auf das Dreieck und melde das. Insbesondere nach den Beben kann man es verstehen, wenn nicht alles kontrolliert und entschärft werden kann, was an Emotionen überschwappt. Ich denke die Mods werden das nach Meldung schon bereinigen. Erwarte aber nicht, dass die Stimmung in der Bevölkerung sich ändert, nur weil hier jemand die Einträge schönfärbt.

optimist hat geschrieben:Auch wäre eine Eskalation in Gewalt das schlimmste, was passieren könnte.

Hier haben wir genau die gleiche Meinung. Nimm allerdings zur Kenntniss, dass die Beben eine Form der Gewalt sind, welche man uns antut. Ich kann mir nicht helfen, meine aber aus deinen Worten herauslesen zu können, dass du der Meinung bist, dass das mehr oder weniger in Ordnung ist.

optimist hat geschrieben:Ich will die Ereignisse nicht schönreden, aber ich wünschte mir einen fairen Umgang miteinander. Ich würde gerne auch persönlich mit Betroffenen diskutieren können, ohne Angst zu haben - ich sag mal einfachhalber- "vermöbelt" zu werden

Diese Ängste gibt es auf beiden Seiten.
Mit freundlichem Hört Auf
Ich

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Re: Frage an die Befürworter des Bergbaus

Beitragvon Hansi » So, 27.01.2008 11:13

Hallo Optimist und danke für Deine ehrliche Meinung.

Ich stimme Dir in vielen Punkten voll und ganz zu. Vor allem in dem, dass Bergleute und Bergbau-Opfer sich im Klaren sein sollten, dass beide nur Opfer einer gierigen Unternehmensführung und einer verfehlten Politik sind. Deshalb sollten wir unseren Zorn nicht gegeneinander, sondern gegen die Verantwortliche richten.
Das von unserer Seite der Angriffspunkt die DSK als Institution gilt, liegt daran, dass die DSK als Institution diesen Bergbau beantragt hat und immer rücksichtloser betreibt.
Ich bin mir sicher, dass nur wenige Bergbau-Opfer die Bergleute selbst beschimpfen. Diese Wenigen gibt es ja auch auf beiden Seiten. Auch "Stoppt Gejammer, macht Kohle" – Schilder zeugen ja nun nicht gerade von Verständnis für die Lage der andern.
Wenn allerdings ein Reinhold Jost sogar im Landtag Bergleute gegen Bergbau-Opfer aufhetzt, wenn ein Dietmar Geuskens ein "im Chaos" versinkendes Saarland im Falle eines Abbaustopps ankündigt, wenn ein Jo Leinen zur Schadensproblematik gerade mal den Spruch "es kann nicht nur Gewinner geben" parat hat, wenn ein Herr Bronder zur Bebensituation nur den Kommentar hat "wir haben alles versucht…machen so weiter" (wann wurde eigentlich der Blasversatz als "unwirtschaftlich" abgeschafft?), wenn ein Herr Tönjes mit gefälschten Zahlen Stimmung macht, dann erlaube ich mir diese Herren als die wahren Übeltäter, in einem sinkenden Ansehen des saarländischen Bergbaus zu bezeichnen.
Die Bergbau-Opfer sollten sich im Klaren sein, dass der Wohlstand im Saarland ohne den Bergbau deutlich niedriger wäre. Und die Bergleute sollten sich im Klaren sein, dass diese Zeiten lange vorbei sind.
Jeder Bergmann geht einem ehrbaren Beruf nach. Mit der rücksichtslosen Forderung auf ein einfaches Weiter-So – trotz aller Auswirkungen - sinkt allerdings diese Ansehen immer drastischer. Mit ein wenig Vernunft und Weitsicht sollten die Bergleute akzeptieren, dass gewisse Privilegien nicht haltbar, weil nicht mehr sozial vertretbar sind.
Auch von einem Bergmann muss man verlangen können, bei Überangebot in seiner Branche, den Beruf zu wechseln. Auch wenn damit der Verlust gewisser Privilegien wie frühe Rente, steuerfreie Bergmannspauschale und und und verbunden sind. Allerdings kann ich in keiner Weise nachvollziehen, wieso ein Bergmann Angst vor Arbeitslosigkeit haben soll. Es hat noch nie einen arbeitslosen Bergmann gegeben und wird auch keinen geben. Auch in diesem Punkt ist nämlich der Bergbau durch das Ausstiegsgesetz gegenüber anderen Branchen privilegiert (Für Nokia, Benq-Siemens, die 8000 Mitarbeiter, die BMW 2008 entlassen will, und und und gibt es keine sozialverträgliches Auslaufen, sondern Hartz IV).
Wenn ich nun die "Ängste" einer Bergmanns-Familie und die einer Familie, die ein Leben lang für ihr Alter gespart hat, und deren materielle und gesundheitliche Existenz geopfert wird, gegenüberstelle, muss ich den Äusserungen mancher Bergleute eine gewissen Realitätsverlust entnehmen.
Meine Eltern haben jedenfalls ein Leben lang geschuftet – genauso schwer wie ein Bergmann, aber mit weniger Einkommen – für die Familie und für die Altersvorsorge in Form eines Hauses. Diese Haus ist durchzogen von Rissen des Altbergbaus (Schadensregulierung trotz Eindeutigkeit nach langem Hinhalten arrogant abgelehnt !).
Dieses schiefstehende, bergbau-perforierte Haus wird nun ständig von Erdbeben erschüttert, genauso wie die Menschen, die darin ihren Lebensabend verbringen und dabei immer öfter an ihre Kindheit im Krieg erinnert werden (DSK Kommentar: "…liegt ausserhalb des Einwirkungsbereichs untertägigen Bergbaus…").
Was ich damit darstellen will ist: Wenn friedliche Menschen, quer durch alle Altersklassen zunehmend aufgebracht agieren und reagieren, müsste eigentlich auch dem letzten Scheuklappen-Träger klar werden, dass es Zeit für radikale Veränderungen ist. Und die können nur heissen: Sofortiger Abbaustopp. Verfüllen der Hohlräume. Umschulung der Bergleute, die nicht weiter beschäftigt werden können. Faire Schadensregulierung unter berücksichtigung aller Bergbauschäden (durch Erdbeben, durch Senkungen, durch Veränderungen des Wasserhaushaltes…).
Gib der Kohlelobby keine Chance !
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