Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

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Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon ich » So, 22.11.2009 9:11

Endlich mal ein Artikel, der sich ehrlich um die Hintergründe bemüht. Wie sich ein Konzern die Preise selbst gestalten kann - auf Kosten des Steuerzahlers...

http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/ ... -wird.html

Organisierte Intransparenz: Wie der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird
Von Olaf Gersemann 22. November 2009, 04:00 Uhr

Die Fehler in der Konstruktion* Die RAG war 2007 Eigentum von Unternehmen, die teils auch ihre Kunden waren, wie E.on, RWE oder ThyssenKrupp. Diese Eigentümerkunden wollen RAG-Kohle möglichst günstig erstehen. Wenn die RAG deshalb Verluste macht, kann ihnen das egal sein.

Die Fehler in der Konstruktion

* Die RAG war 2007 Eigentum von Unternehmen, die teils auch ihre Kunden waren, wie E.on, RWE oder ThyssenKrupp. Diese Eigentümerkunden wollen RAG-Kohle möglichst günstig erstehen. Wenn die RAG deshalb Verluste macht, kann ihnen das egal sein. Denn für die kommt der Steuerzahler auf.

Der Einfluss der Konzerne

* Ein Problem wird der Konstruktionsfehler, weil RAG und ihre Ex-Eigentümer Einfluss haben auf die Höhe der Verluste und damit auch der Subventionen. Beispielsweise liefern die Strom- und Stahlkonzerne selbst die Daten zur Berechnung des "Drittlandskohlepreises", der eine entscheidende Rolle spielt bei der Bemessung der staatlichen Zahlungen.



http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/ ... rheit.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article52 ... zocke.html

Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit
Von David Schraven, Daniel Drepper und Michael Klingemann 22. November 2009, 04:00 Uhr

Seit Jahrzehnten werden die Steuerzahler für den Erhalt des Steinkohlebergbaus zur Kasse gebeten. Und zwar viel kräftiger als nötig. Denn die Profiteure können die Höhe der Subventionen selbst mitbestimmen

Das Ambiente war festlich, die Stimmung kämpferisch auf dem Deutschen Steinkohletag Anfang November. Ein Bergmannschor auf der Bühne der Essener Philharmonie sang "Der Steiger kommt". Über der Bühne hing eine rie-sige Leinwand: "Globalisierung braucht Sicherheit".

Gewerkschaften, Steinkohleverbände und Bergwerksbetreiber forderten weitere Milliarden für die letzten deutschen Zechen - am besten auf Jahrzehnte hinaus. Ihr Hauptargument: Für den Fall, dass keine Kohle mehr aus Australien nach Deutschland kommt, müssen die heimischen Gruben offen gehalten werden. Dabei steht nach den Bundestagswahlen fest, dass am Ausstieg aus den Steinkohlesubventionen kaum noch zu rütteln ist. CDU/CSU und FDP haben erklärt, sie wollten bei der anstehenden Revision der Beschlüsse 2012 am Ende des Bergbaus bis 2018 festhalten.

Es wäre das Ende einer jahrzehntelangen Gießkannenpolitik. Bis heute hat die deutsche Steinkohleindustrie nach Schätzungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) mehr als 140 Milliarden Euro an Subventionen bekommen - so viel wie kein anderer Wirtschaftszweig. Mit dem Geld sollten nicht nur die Arbeitsplätze der Bergleute und die Energieversorgung des Landes gesichert werden. Ganze Regionen, das Ruhrgebiet und das Saarland, sollten angesichts des wirtschaftlichen Strukturwandels vor dem Absturz bewahrt werden.

Doch profitiert haben nach Recherchen der "Welt am Sonntag" vor allem Unternehmen wie E.on, Hoesch, RWE und ThyssenKrupp, kurz: die Gesellschafter der Ruhrkohle AG. Über komplizierte Verrechnungsmechanismen landeten Milliarden an Subventionen in ihren Kassen. Der Staat, also letztlich der Steuerzahler, bezahlte viel mehr, als nach den Vereinbarungen eigentlich notwendig gewesen wäre. Kontrollen gab es wenig, Transparenz noch weniger.

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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon ich » So, 22.11.2009 13:59

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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon merlin » So, 22.11.2009 16:17

....das ist ja echt zum kotzen......... :evil:
Lieber Gott… gib mir die Weisheit
einige Menschen zu verstehen,
die Geduld sie zu ertragen,
die Güte ihnen zu verzeihen,
aber bitte gib mir keine Kraft…
denn wenn ich Kraft habe,
haue ich ihnen aufs Maul



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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon doembes » So, 22.11.2009 17:29

Hallo "ich" - vielen Dank für den Hinweis, aber der Rest muss auch noch hierhin, für den Fall, dass der Artikel dort verschwinden sollte....

<Zitat - www.welt.de>
Doch profitiert haben nach Recherchen der "Welt am Sonntag" vor allem Unternehmen wie E.on, Hoesch, RWE und ThyssenKrupp, kurz: die Gesellschafter der Ruhrkohle AG. Über komplizierte Verrechnungsmechanismen landeten Milliarden an Subventionen in ihren Kassen. Der Staat, also letztlich der Steuerzahler, bezahlte viel mehr, als nach den Vereinbarungen eigentlich notwendig gewesen wäre. Kontrollen gab es wenig, Transparenz noch weniger.

Vor allem seit der Gründung der Ruhrkohle AG im November 1968 fließen im großen Stil Subventionen in den Bergbau. Damals schlossen sich auf Druck der Bundesregierung 25 Bergwerksunternehmen, viele davon im Besitz von Stahlkonzernen, zu einer Mammutgesellschaft namens Ruhrkohle AG (später RAG) zusammen.

Die Gründung war eine schnelle Geburt. Innerhalb weniger Wochen wurde die Firma ins Leben gerufen, um das große Zechensterben im Revier zu beenden. Vielleicht auch aus der Eile heraus entstand ein System, das einem Selbstbedienungsladen ähnelte.

Denn die Eigentümer der RAG waren gleichzeitig die Kunden der Zechenfirma. Ihr Interesse war es nicht, gute Kohlepreise für die RAG zu erzielen - sondern möglichst billig bei ihr einzukaufen. Die Verluste der RAG wurden nämlich vom Staat gedeckt.

Früh wurde der Konstruktionsfehler entdeckt. RAG-Vorstand Hubert Grünewald etwa notierte in einem internen Vermerk im Februar 1970 über die Zwickmühle seiner Firma: "Unsere Vertragspartner sind überwiegend unsere Aktionäre. Die Vertragsschließenden haben mit Wissen und Kenntnis der auf Ruhrkohle AG übergehenden Verpflichtungen Leistungen festgelegt und vereinbart, die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses offenkundig nicht erfüllbar waren." Mit anderen Worten: Die Eigentümer wussten, dass sie zu Dumpingpreisen einkauften, im Vertrauen auf die Zahlungsbereitschaft des Staates.

Vor allem bei den Lieferverträgen für Hochhofenkoks, der zur Stahlerzeugung benötigt wird, waren die RAG-Eigentümerkunden kreativ. Ein Beispiel: Zwischen 1997 und 2005 verlangten sie von den RAG-Kokereien Prosper und Kaiserstuhl im Ruhrgebiet Rabatte. Diese Vergünstigungen berechneten die Eigentümerkunden so: Die Kokereien sollten die Kokspreise um die Erlöse mindern, die sie beim Verkauf von Nebenprodukten wie Teer oder Koksgas erzielen. Dass es deswegen zu Verlusten der Kokereien kommen konnte, wurde hingenommen. Denn diese Verluste sollten ja wie immer die Steuerzahler über die Subventionen ausgleichen.

Das erscheint schwer nachzuvollziehen, doch Kokereidirektoren berichten, dass besonders über den Verkauf von Koksgas die Preise gedrückt wurden. So soll Hoesch (heute ThyssenKrupp Steel) höhere Rabatte verlangt haben, so als sei hochwertiges Erdgas verkauft worden - obwohl nur die niedrigeren Preise für Koksgas gezahlt wurden. Intern wird in der RAG von dreistelligen Millionenbeträgen berichtet, die dadurch vom Staat getragen werden mussten.

Eine andere Masche war der Import von günstigem Koks zu Forschungszwecken. Eigentlich waren die Konzerne durch die Subventionsgesetze gezwungen, Koks ausschließlich bei der RAG zu kaufen. Nur für Tests durften geringe Mengen Koks aus dem Ausland importiert werden. Davon unbeeindruckt importierten die Hütten allerdings große Mengen Billigkoks und gaben einfach an, ihn für ihre Forschung zu verwenden.

Die RAG-Führungsebene sei Anfang der 90er-Jahre so wütend über die Einnahmeverluste "in Millionenhöhe" gewesen, dass sie eine Klage gegen ihre Eigentümer in Erwägung zog, berichten Kokereidirektoren: "Wir sahen die Züge mit Koks aus Polen an unserem Fenster vorbeifahren." Man habe nur von den Klagen abgesehen, weil man ja "nicht gegen seine eigene Mutter klagen kann", sagt ein Direktor, der an den Gesprächen in der RAG beteiligt war. Die Verluste, für die der Staat geradestehen musste, hätten in dreistelliger Millionenhöhe gelegen. Genaue Zahlen kann keiner vorlegen, weil Daten über die Importmengen fehlen.

Ein weiterer Hebel, mit dem der Staat zu überhöhten Subventionszahlungen gebracht wurde, war die Preisberechnung für die Kohle. Denn die deutschen Stahlkonzerne und Stromriesen sollen im internationalen Wettbewerb keinen Nachteil erleiden, wenn sie die in der Förderung kostspielige heimische Kohle verbrennen. Deswegen soll die RAG ihnen nur den Preis berechnen, den die Unternehmen auch für billigere Kohle aus dem Ausland zahlen müssten. Dies ist der sogenannte Drittlandskohlepreis (DKP). Die Differenz zwischen Produktionskosten und DKP, sprich die Verluste der RAG, gleicht dann der Staat aus.

Der Haken aus Sicht des Steuerzahlers: Es sind die Stahl- und Stromkonzerne selbst, die die Daten liefern, auf deren Basis der DKP ermittelt wird. Je niedriger aber die Konzerne die Auslandspreise ansetzen, umso billiger bekommen sie Kohle und Koks in Deutschland. Eine Kontrolle ist kaum möglich. Denn der DKP ist nicht einfach der Weltmarktpreis, sondern ein komplizierter, für Außenstehende nicht nachvollziehbarer theoretischer Preis.

Doch das reichte den Abnehmern nicht aus. Im Geflecht der RAG-Eigentümerkunden entstand ein weiteres System von Preisabschlägen, das jahrelang funktionierte. So berichtet der Bundesrechnungshof, die RAG-Kunden hätten zwischen 1998 und 2004 regelmäßig Ermäßigungen zwischen zehn und 20 Prozent bekommen. Die Gründe für die Preisabschläge seien schwer nachvollziehbar gewesen, steht in dem internen Bericht aus dem Jahr 2005. So sei beispielsweise angeführt worden, die Kohle sei minderwertig oder schwer brennbar. Allein wegen der Rabatte fielen die Subventionen in diesem Zeitraum von sieben Jahren um rund 1,5 Milliarden Euro höher aus als nötig, geht aus dem Report des Rechnungshofes hervor. Gleichwohl werden mit diesen Argumenten noch bis heute die Kohlepreise der RAG gedrückt.

Für die Kontrolle der Angaben und Argumente ist das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa) zuständig. Dort heißt es, die Informationen der RAG und ihrer Kunden zum Kohlepreis würden auf Basis von "Erfahrungswerten, Quervergleichen und Ermittlungen" überwacht. Allerdings hat die zuständige Abteilung der Behörde für die Kontrolle von Hunderten von einschlägigen Vorgängen nur sieben Mitarbeiter. Ein Experte des Rechnungshofes sagt dazu: "Es gibt keine effektive Kontrolle. Keiner geht auf die Halden und überprüft die Qualität der Kohle." Wenn RAG und die Kunden des Kohlekonzerns Qualitätsabzüge melden, werde das "so hingenommen".

Auch die Überprüfung der für die Subventionen entscheidenden Produktionskosten sei mangelhaft, kritisieren Mitarbeiter des Rechnungshofes. So beauftragt das Bafa zwar externe Gutachter damit, die von der RAG angegebenen Kosten durchzugehen. Allerdings werden diese Gutachten nicht vom Bafa, sondern von der RAG selbst bezahlt. Die Beurteilten bezahlen also ihre eigene Beurteilung. Eine öffentliche Kontrolle findet kaum statt. Die Gutachten sind, wie Hunderte andere Unterlagen in Sachen Steinkohle, geheim. Weder Journalisten noch die für die Subventionskontrolle verantwortlichen Politiker können Originalprüfgutachten offen einsehen.

Und so steigen dem Rechnungshof-Bericht zufolge die Produktionskosten der RAG wie von Geisteshand immer ausgerechnet dann, wenn auch der Drittlandskohlepreis steigt - und sie sinken, wenn die Preise im Ausland heruntergehen. Sorgt womöglich die RAG auf diese Weise dafür, dass die Subventionen auch in wirtschaftlich guten Jahren möglichst voll ausgeschöpft werden? Die parallele Entwicklung von Kosten und Auslandspreisen jedenfalls verhindert, dass die Subventionen gekürzt werden. Zur Überprüfung der Preise durch Gutachter sagt ein Mitarbeiter des Rechnungshofs: "Da können Sie Hunderte Gutachter schicken. Die finden nichts. Die RAG hat die Zahlen und schafft damit Fakten."

Wie sind solche Vorgänge überhaupt möglich? Reiner Priggen, ein Abgeordneter der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, bemüht sich seit Jahren, Klarheit zu bekommen - mit begrenztem Erfolg. Er nennt die RAG "ein System der organisierten Intransparenz", in dem niemand echtes Interesse an Aufklärung habe. Ein grundlegendes Problem scheint zu sein, dass die RAG beispielsweise keinen Anreiz zu Sparmaßnahmen hat, die Personal kosten würden. Verluste würden ja sowieso ausgeglichen, erklärt ein Mitarbeiter des Bundesrechnungshofes. Also bleiben die Kosten hoch, egal, was kommt.

Manuel Frondel, Energieexperte beim RWI, fordert wegen der undurchsichtigen Subventionspraxis eine Änderung im System. "Es wäre so einfach: Die RAG müsste einen fixen Betrag bekommen und wäre dann selbst daran interessiert, ihre Kosten unter Kontrolle zu halten, um mit dem Geld auszukommen."

Doch solche Vorschläge bleiben ungehört. Zu eng ist die Politik mit der Kohlewirtschaft verwoben. Dutzende Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker waren oder sind in verschiedenen Funktionen und auf unterschiedlichen Hierarchieebenen für die Kohlefirma tätig. An der Spitze, im Kuratorium der RAG-Stiftung, sitzt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis. Auch die SPD ist vertreten: Joachim Poß, Finanzexperte und Vizefraktionschef der Sozialdemokraten im Bundestag, sitzt im Aufsichtsrat der Zechengesellschaft RAG Deutsche Steinkohle.

Tatsächlich hat sich der Staat bisher sehr nachsichtig gegenüber der RAG gezeigt. Der Kohlekonzern meldet seinen Subventionsbedarf an, und die Finanzministerien des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen stellen in ihren Haushalten dann die entsprechenden Summen bereit. RWI-Experte Frondel berichtet, dass der Staat in der Vergangenheit oft darauf verzichtet habe, zu viel gezahlte Subventionen von der RAG zurückzuholen. Und das, obwohl es um Milliarden gehe. Vor zwei Jahren wurde im Bundes- und im Düsseldorfer Landtag beschlossen, bis 2018 bis zu 21 weitere Milliarden Euro in den Bergbau zu stecken. Kurz darauf wurde die Aufspaltung der RAG in einen "weißen" Bereich namens Evonik - mit Chemie-, Energie- und Immobiliengeschäft - und einen "schwarzen" Bereich beschlossen. Seither bekommt nur der schwarze Bereich mit den Zechen Subventionen.

Die Annahmen für die Berechnung dieser Summe stammen letztlich von der RAG. So heißt es in einem von der RAG bezahlten Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG von 2007, dass 13 Milliarden Euro allein für den Ausstieg aus dem Kohlebergbau gezahlt werden müssten. Dabei geht es um Kosten für Bergschäden, Pensionsverpflichtungen, Stollensicherung.

Der Bundesrechnungshof hat die KPMG-Aussagen bemängelt. Die Angaben der RAG seien nicht kritisch durchleuchtet wurden. Zudem seien Plausibilierungen oder technische Einschätzungen "auftragsgemäß nicht durchgeführt worden". Der Rechnungshof drängte deshalb im Herbst 2007 auf Nachverhandlungen. Allerdings, monierten die Prüfer, habe der Bund bereits zugestimmt, die Gewährleistung für Schäden zu übernehmen, deren "Höhe nicht einschätzbar" sei. Das heißt: Staat und Steuerzahler tragen das Risiko für die Folgekosten des Bergbaus und des Ausstiegs.

Die ehemaligen RAG-Eigentümer haben hingegen nichts mehr damit zu tun. Vor zwei Jahren haben ArcelorMittal, E.on, RWE und ThyssenKrupp Steel ihre Anteile für einen Euro an die RAG-Stiftung übertragen, die den Bergbau bis 2018 abwickeln soll. Damit haben sich die Konzerne der Verantwortung für Folgeschäden entledigt - ihrer vertraglichen Vorteile als Kunden freilich nicht.

Noch immer bekommt RWE Kohle aus dem Bergwerk Ibbenbüren mit Rabatt. Angeblich, weil dessen Kohle schlechte Brennwerte hat. E.on kauft Koksgas weiter zu Preisen auf, die in Zeiten vereinbart wurden, als der Energiekonzern noch RAG-Miteigentümer war. Und die Stahlfirmen bekommen den Koks aus der Kokerei Prosper zu Konditionen, die sie auf dem freien Markt kaum bekommen hätten.

Auch die Kohlelobby hat noch nicht aufgegeben. Sie setzt darauf, dass der Bergbau weiter unterstützt wird. Anfang November, beim Steinkohletag in der Essener Philharmonie, forderte der IG-BCE-Chef Vassiliadis, bei der für 2012 vorgesehenen Revision des Ausstiegsbeschlusses neue Subventionen "ideologiefrei" zu überprüfen.

Der Bergmannschor schmetterte dazu ein kräftiges "Glück auf!"

Hintergrund: Woran der Bau neuer Kohlekraftwerke scheitert
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Manfred_Reiter » So, 22.11.2009 18:26

Hallo ich, Merlin, doembes, alle ...

vielen Dank für den Hinweis auf diesen Artikel, überschrieben mit "die ganze Wahrheit". Dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist, wissen die Bergbaubetroffenen nur zu gut! Auf der Geschädigtenseite gibt es auch noch eine Wahrheit - und die steht in dem Artikel leider nicht drin.

Wenn Werner Lehnert diese Machenschaften immer als Kartell bezeichnet, dann irrt er ganz gewaltig. Diese Strukturen sind eher in Süditalien angesiedelt! Und das schöne ist, dass fast die gesamte Politik mitspielt. Es wird im Artikel auch darauf eingegangen warum sie mitspielt! Einem Selbstbedienungsladen allererster Güte wird hier die Stange gehalten. Warum? Es liegt auf der Hand. Politiker profitieren - wie im Artikel aufgezeigt.

Wie sagte mein spezieller Freund Rainer Tabillion vor der Bundestagswahl "... das bergmännische Wissen mindestens auf dem Niveau eines umweltverträglichen Sockelbergbaus erhalten werden." Gott sei Dank haben die Wähler diesen Burschen in die "Anpassung" geschickt - oder ist er mittlerweile in einem der Unternehmen rund um das Kohlekartell aufgetaucht?
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Werner Lehnert » So, 22.11.2009 20:56

Natürlich könnte man noch deutlicher werden, doch die Bezeichnung Steinkohlekartell ist bereits drastisch, weil die Bildung von Kartellen kartellrechtlich verboten ist. Im Falle der Verbindungen vom Steinkohleschürfunternehmen zu den Steinkohleverbrauchern, zur Parteienpolitik und zur Bergbaugewerkschaft kann man aber genügend Nachweise führen, um die Kartellbildung zu belegen. Aber auch hier gilt wieder: letztlich bekommen die Bürger, die sich nicht wehren, was sie verdienen.

Vor 10 Jahren wechselte ich den Stromversorger. Ich gab der VSE damals noch eine faire Chance: "Erklären Sie den Verzicht auf die Verstromung saarländischer Steinkohle". Dass die VSE sich im vergangenen Jahr nach dem Ende des Steinkohleabbaus im Primsfeld (bei Saarwellingen und Nalbach) über die Saarbrücker Zeitung bei der RAG über ausbleibende Kohlelieferungen beklagte zeigt, dass der Schritt von 1999 nur konsequent war.
Die Kartellkette ist hier folgende: energis (zu 100% VSE) - VSE (zu 72% RWE) - RWE (Kohle- und Atomstromoligopolist) mit direkten Verbindungen zur RAG.
Über ihre Vertriebstochter energis schrieb mich die VSE vor wenigen Wochen an, um mir ein persönliches Angebot zum Rückwechsel, d.h. zum Wechsel von den EWS zur VSE/energis zu machen.
Es wurde mir auch ein Rückwechselbonus von 50,-€ in Aussicht gestellt.
Die Bedingungen, die aus meiner Sicht für einen Rückwechsel zu erfüllen wären, sind folgende:
a) Erklärung des sofortigen Verzichts auf den Vertrieb von Saarkohlestrom durch die energis/VSE, d.h. kein in Bexbach, Weiher oder Fenne erzeugter Strom wird über die energis/VSE verkauft
b) Erklärung des Verzichts auf den Vertrieb von Atomstrom durch energis/VSE
c) Reduzierung der derzeit angebotenen Stromtarife bei energis/VSE auf nur noch zwei Tarife, d.h. konventioneller Tarif
und erneuerbarer Tarif, sodass keine Anreize zum Stromverbrauch existieren. Damit würden die Tarife Single, Saarfit, Famfit und Online entfallen. Der konventionelle Tarif darf nur in Kraftwärmekopplung erzeugten Strom beinhalten.
d) Förderung der Kraftwärmekopplung durch finanzielle Beteiligung der VSE an kommunalen Projekten "Nahwärmeinseln mit Stromerzeugung"
e) Förderung der Einrichtung regenerativer Stromerzeugungsanlagen mit finanziellen Mitteln der VSE
f) Erschliessung von Dachflächen mit Südausrichtung zur Gründung von Bürgersolarkraftwerken durch die VSE.
g) Verlängerung der garantierten Einspeisevergütung für Strom aus Bürgersolarkraftwerken von 20 auf 30 Jahre.
h) Gründung einer Initiative zur Rekommunalisierung der Stromnetze, d.h. die VSE bietet den Gemeinden ihre Stromnetze zum Kauf an.
i) Bestandsaufnahme bisher ungenutzter Wassernutzungsrechte an den Nebenflüssen der Saar, insbesondere der Prims und Gründung einer Initiative zum Aufbau eines regionalen Wasserkraftwerksnetzes durch die VSE.
j) Ausschreibung und Prämierung von besonders sparsamen privaten Stromhaushalten "Landesstromsparmeister" durch die VSE.
k) Auflage eines Programms zur Förderung von privaten Kleinkraftwerken am Beispiel der jüngsten Kampagne von Lichtblick-VW durch die VSE/energis
l) Entschuldigung der VSE/energis als bisheriger Teil des Steinkohlekartells bei allen saarländischen Bergbaubetroffenen für das Leid, das den Bergbaubetroffenen in den vergangenen Jahren durch das Steinkohlekartell zugefügt wurde.
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Leopold » Mo, 23.11.2009 0:14

Weil ich selbst Lieferant von Photovoltaikstrom an die energis bin, mache keine Werbung für den Stromversorgerwechsel, um der energis zu schaden.

Ha Ha ha, denen den eigenen hoch subventionierten Strom unterjubeln und dann solche Foderungen stellen...Tse, Sachen gibs..

Alleh Hopp
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Leopold » Mo, 23.11.2009 17:33

Ach ja noch was: Die Vse- Energis- RWE will ihre Hochspannungsmasten GRÜN streichen! Und obendendrauf noch ein Windrädchen stellen..zur ruhigstellung von einigen Demokraten..die alles wissen und doch keine Ahnung haben von der Materie.

Alleh Hopp
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Werner Lehnert » Mo, 23.11.2009 19:37

Das Erneuerbare-Energie-Gesetz wurde im Jahr 1999 von der damaligen Rot-Grünen Bundesregierung ins Leben gerufen. In diesem Gesetz zur Förderung der Installation erneuerbarer Energieerzeugungsanlagen, wurde ausdrücklich vorgesehen, dass die Betreiber regenerativer Energieerzeugungsanlagen den Ökostrom ins Netz des regionalen Netzbetreibers einspeisen.
Die Gesetzesnovelle des EEG für das Jahr 2009 sieht nun einen stärkeren Verbrauch des selbst erzeugten regenerativen Stroms durch den Erzeuger für neu ans Netz gehende Anlagen vor. Des Weiteren ist die Entwicklung verbesserter Stromspeichermöglichkeiten vorangekommen, sodass eine weitgehende Kommunalisierung der Stromversorgung möglich wird.
Die Kosten aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz werden über eine Umlage aller Stromkunden der Bundesrepublik Deutschland finanziert. Der Beschäftigungszuwachs im Bereich der Herstellung, Einrichtung sowie des Vertriebs erneuerbarer Energieerzeugungsanlagen wurde von keiner politischen Partei im vergangenen Bundestagswahlkampf angezweifelt. Den Nutzen haben nicht nur die Beschäftigten im erneuerbaren Handwerk und der Industrie sondern alle Menschen profitieren zeitnah von einer umweltschonenden Stromerzeugung.
Die Prognosen, wann Ökostrom gegenüber konventionell erzeugtem Strom wettbewerbsfähig wird, werden ständig näher an die Gegenwart korrigiert. Inzwischen geht man davon aus, dass im Jahr 2015 die ersten erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen ans Netz gehen werden, die mit konventionellem Strom auch in wirtschaftlicher Hinsicht (aus ethischen Gründen ist dies sowieso längst klar) konkurrieren können.
Die Subventionen für den Abbau der Steinkohle werden von allen Steuerzahlern in Deutschland finanziert. Die Verstromung der Steinkohle erfolgt noch immer, ohne dass die Kohleverstromer hierfür Emissionszertifikate aus dem Emissionshandel kaufen müssen. Allerdings ist Steinkohlestrom schon jetzt so teuer wie regenerativ erzeugter Strom, weil die Steinkohlestromverkäufer, z.B. Vattenfall, E-On und RWE den Preis, den sie eigentlich für die Zertifikate zahlen müssten (sie bekommen die Zertifikate immer noch vom Staat geschenkt) bereits auf den Strompreis - insbesondere für die Privatkunden - umlegen.
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Leopold » Mo, 23.11.2009 20:05

Die Kosten aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz werden über eine Umlage aller Stromkunden der Bundesrepublik Deutschland finanziert.

Etwa wie der Kohlepfennig?? Also gesetzlich geregelte Subventionen von ALLEN.

Den Nutzen haben nicht nur die Beschäftigten im erneuerbaren Handwerk und der Industrie sondern alle Menschen profitieren zeitnah von einer umweltschonenden Stromerzeugung.

VOR ALLEM die Chinesen und Japaner. Haben einige schon erkannt das dies so läuft, muss mal wieder den Link raussuchen und reinstellen.

inzwischen geht man davon aus, dass im Jahr 2015 die ersten erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen ans Netz gehen werden, die mit konventionellem Strom auch in wirtschaftlicher Hinsicht (aus ethischen Gründen ist dies sowieso längst klar) konkurrieren können.

Deshalb wohl die Forderung das die Sonnenpaneele 30 Jahre gefördert(subventioniert) werden sollen. Rechnet sich nicht mehr so recht bei 1% zum Energiebeitrag in Deutschland.
Hut ab, weiter so :)
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Britta » Di, 24.11.2009 7:19

@Leopold und alle Schreiber von Vorgestern...

Besser in die Zukunft investieren als mutwillig Häuser zerstören und dafür auch noch Subventionen versenken
Fakt ist:
Ihr könnt euch hier auslassen wie ihr wollt, eure Zeit ist um.
Und mit den dämlichen Kommentaren können wir leben....
Endlich, der endgültige Abbaustopp steht fest!!!
Britta
 
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon elmarneu » Di, 24.11.2009 17:47

Britta hat geschrieben:@Leopold und alle Schreiber von Vorgestern...

Besser in die Zukunft investieren als mutwillig Häuser zerstören und dafür auch noch Subventionen versenken
Fakt ist:
Ihr könnt euch hier auslassen wie ihr wollt, eure Zeit ist um.
Und mit den dämlichen Kommentaren können wir leben....



Bischen warten musst du schon noch,Liebe Britta.
Gruß:Elmar
elmarneu
 
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon baldapgler » Di, 24.11.2009 21:20

Hallo
Genau Elmar! Hoffentlich schaft das die liebe Britta,
sie macht so einen angespannten Eindruck.Wenn was von
ihr kommt liegt meiner Meinung nach immer so ein
leichtes Agresions potenzial im Raum.Britta meine gute
das wird schon,einfach locker bleiben.
lg
baldapgler
 
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Werner Lehnert » Mi, 25.11.2009 21:16

Es sind nur noch drei Leute aus dem Kartell der Versager und Zerstörer, die sich in unserem Forum mit indiskutablen
Kommentaren auslassen. Ihre Zeit geht unweigerlich zu Ende. Aber das Gedankengut und Handeln dieser Leute hat unser Land - und nicht nur das Saarland - in eine extreme Schieflage gebracht.
Die Macht des Steinkohlekartells bröckelt, was mit jedem Tag in die Zukunft deutlicher wird. Aber es bleibt der bittere Beigeschmack, dass die Demokratie in Bezug auf die Zulassung der Kartellzustände bei Steinkohlebergbau und bei der Verwendung der Steinkohle letztlich eklatante Lücken offenbart hat.
Wir alle sind gefordert, dafür Sorge zu tragen, dass sich soetwas nicht wiederholt. Der erste Schritt hierzu ist der Wechsel des Stromversorgers.
Werner Lehnert
 
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Re: Milliardengrab Steinkohle: Die ganze Wahrheit

Beitragvon Mogelnix » Mi, 25.11.2009 22:49

Lieber Werner Lehnert, liebe Britta
dass Du Ihr Euch mit diesen Schwallbacken noch sachlich auseinandersetzt verstehe ich nicht. Die sind wahrscheinlich auf der Vertrauenskörperseite auch schon rausgeflogen, weil sie nicht in der Lage sind sich an einer normalen Diskussion zu beteiligen.

in diesem Sinne - HÖRT AUF!
Mogelnix
 
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