ZUM NACHDENKEN

Sagen Sie Ihre Meinung zu den Erdbeben und dem Kohleabbau

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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon edvfluesterer » So, 02.03.2008 19:49

Hallo Betroffene,

auch ich war schon arbeitssuchend bzw. musste aus Gesundheitlichen Gründen umschulen, weil ich von heute auf morgen meinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Aus diesem Grund kann ich gut nachempfinden, welche Ängste und Sorgen Dich plagen.

Auch wenn ich betriebswirtschaftlich keinerlei Ahnung habe, würde ich mir Gedanken machen, wenn mein Arbeitgeber nur von einem Unternehmen abhängig ist. das eh plant, in absehbarer Zeit dichtzumachen und solche Probleme verursacht wie DSK/RAG/EVONIK.

Jedes Ende ist die Chance auf einen Neuanfang, nutz die Chance, Dich weiterzubilden (das Arbeitamt hat eine Förderung namens Wegebau). Zur Zeit sind soviele Stellen offen, dass Deine Chancen so gut wie lange nicht mehr sind, bald wieder in Lohn und Brot zu stehen.
Stoppt den Wahnsinn der RAff(G)geier!!!
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon vollesuppe » Mi, 05.03.2008 14:20

Ich weiß nicht, ob das jetzt hier hin gehört...aber am Samstag in der SZ waren so viele Stellenanzeigen..da frag ich mich, warum wir so viele Arbeitslose im Land haben.....
als mein Mann vor ein paar Jahren von heute auf Morgen arbeitslos wurde, hatte er nach 1 Woche wieder Arbeit, zwar nicht so gut bezahlt , aber er hatte Arbeit. Dann hat er eine Umschulung gemacht....wir hatten da nur so viel Geld wie ein Arbeitsloser bekommen hat....zum Hausabbezahlen mit 2 Kindern war das so gut wie nichts....bei der Umschulung hatten 50 Leute abgefangen, am Schluß waren es nur noch knapp 10...allen Anderen war es lieber, sie bleiben zu Hause und hatten genau das Geld wie wir ..ohne zu arbeiten. Danach ging es wieder Bergauf...wir haben jeden Pfennig/Cent in unser Haus gesteckt..... 15 jahre kein Urlaub, keine Extra-Ausgaben( Eisessen, Kino, mal Essen gehen, Unternehmungen mit den Kindern) und jetzt???? sitzen wir in unserem durchgeschüttelten Haus und auf unseren Schäden.....
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon Slam » Mi, 05.03.2008 18:48

Ich war vorhin (etwa 16.30 Uhr) mit Freundin und Hund durch Eidenborn spazieren, da parkte ein junger Mann (ich schätze mal etwa 19/20 Jahre alt) sein Auto an der Bushaltestelle (oben wo die "Telefonzelle" ist), stieg aus, setzte sich auf seine Motothaube und hielt ein selbstgemaltes Schild hoch. Das Schild war sehr undeutlich geschrieben/gemalt, ich denke mal, es war eine Spontanaktion von ihm. Auf dem Schild stand "Ich bin seit heute arbeitslos - danke Bergbaugegner".
Ich las das Schild im Vorbeigehen, da rief er mir zu "Na toll, jetzt bin ich arbeitslos.", und bevor ich antworten konnte, schlug er mit der Faust auf sein Auto, stieg ein und fuhr wieder weg !
Er schien sehr durch den Wind zu sein.

Der Junge tat mir einerseits sehr leid, andererseits (ich denke, er war noch Azubi) muss sich ein junger Kerl wie er sicherlich weniger Gedanken um eine andere Ausbildungsstelle machen. Er hat sicherlich keine Kinder und kein Haus abzubezahlen, daher sind seine Existenzängste eher übertrieben. Dennoch will ich die Ängste und Gedanken, die in seinem Kopf herumschwirren, nicht kleinreden.
Ich denke und hoffe, dass er schon morgen nicht mehr so verzweifelt sein wird, und sich daran macht, für seine Zukunft selbst zu sorgen. Ob er von der RAG/DSK Hilfe erhalten wird, kann ich nicht beurteilen. Wenn man das Verhalten und die Aussagen von denen allerdings verfolgt, glaube ich fast nicht daran...aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Dennoch, die Propaganda und die Schwarzmalerei, die seine Gewerkschaft und auch andere betreiben, hat hier aber sicherlich seine Wirkung erzielt.
Und das ist das Schlimme, denn es wurde dem Jungen eingeimpft, dass die "Bergbaugegner" schuld an allem sind und er keine Zukunft mehr hat. Dieser Verantwortung sollten sich die Damen und Herren, die diesen Standpunkt, diese Meinung oder diese Phrasen in die Presse, und damit in die Welt dreschen, bewusst sein !

Nachdenken kann man auch über das, was er geschrieben und gesagt hat: "...seit heute arbeitslos..."
Ich würde gerne mal wissen, was den Bergleuten nach der heutigen Sitzung im Landtag von "oben" gesagt wurde...haben sie den Strohhalm "Verfahren aus der Ölförderung" von selbst fallen lassen und mitgeteilt, dass die Grube dicht ist?
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon vollesuppe » Mi, 05.03.2008 19:40

Eigentlich hat die DSK/RAG sich ja "ein Eigentor geschossen"...wenn dieses Beben vom 23.02. nicht so stark gewesen wäre und soviel kaputtgegangen wäre...hätten wir uns doch auf dem Schloßplatz "die Beine in den Bauch demonstrieren können", und immer hätten die noch eine Ausrede gehabt, warum der Bergbau nicht eingestellt wird.
Also sind die "Bergbaugegner"( wie ich das Wort hasse) gar nicht schuld an diesem Dilemma
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon merlin » Mi, 05.03.2008 19:52

......tja - aber mach das mal einem von denen klar......... :(
Lieber Gott… gib mir die Weisheit
einige Menschen zu verstehen,
die Geduld sie zu ertragen,
die Güte ihnen zu verzeihen,
aber bitte gib mir keine Kraft…
denn wenn ich Kraft habe,
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon ich » Mi, 05.03.2008 19:53

vollesuppe hat geschrieben:Eigentlich hat die DSK/RAG sich ja "ein Eigentor geschossen"...wenn dieses Beben vom 23.02. nicht so stark gewesen wäre und soviel kaputtgegangen wäre...hätten wir uns doch auf dem Schloßplatz "die Beine in den Bauch demonstrieren können", und immer hätten die noch eine Ausrede gehabt, warum der Bergbau nicht eingestellt wird.
Also sind die "Bergbaugegner"( wie ich das Wort hasse) gar nicht schuld an diesem Dilemma

So sieht es aus. Das wir, die Bergbaubetroffenen, Schuld an der Situation sind wird höchstens von ewiggestrigen der IGBCE und RAG-Funktionären verbreitet. Letztendlich war ein unvergleichlicher, raffgieriger Raubbau an der Natur, der ohne Rücksicht auf die Menschen (Über- und Untertage) an der Situation schuld ist, dürfte jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein. Die Natur hat sich hierfür gerächt. Jetzt ist es an der Zeit, dass die RAG und die Evonic die Verantwortung hierfür übernimmt. Bei ihren Beschäftigten in Form der Aufstockung des Kurzarbeitsgeldes, alternativer Arbeitsplätze und sozialer Absicherung. Bei den Bergbaubetroffenen durch Begleichung der Schäden, des merkantilen Minderwertes, ...
Mit freundlichem Hört Auf
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon WSchaefer » Do, 06.03.2008 0:24

Genau!
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon vollesuppe » Do, 06.03.2008 21:02

Was mich auch immer wieder zum Nachdenken bringt

....2014 ist ja auch nicht weit...was wäre denn dann mit den ganzen Arbeitsplätzen passiert ?? ....bei einem Ausstieg aus dem Kohlebergbau.
Da muss sich doch auch einer schon mal Gedanken gemacht haben??..oder einen Plan vorbereitet ??? oder ist das den Chef´s auch egal gewesen??...ach, nein...wie sagte (war´s der) Pohmer???...einen Plan B haben wir nicht...wäre das auch für die nächsten Jahre gewesen???
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon merlin » Do, 06.03.2008 21:20

..........es war der Bronder bei der Infoveranstaltung im Theater am Ring...........
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon vollesuppe » Do, 06.03.2008 21:59

Danke , habs echt nicht mehr gewusst
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon merlin » Do, 06.03.2008 22:31

um mal wieder aufs Thema zurück zukommen.................

wer hat an meinen Vater gedacht, als er mit 62 auch im freien Fall war (er ging erst mit 65 in Rente)
wer hat an meinen Mann gedacht, als er sich vor 6 jahren auch eine neue Arbeitsstelle suchen musste (nach 24 jahren in der gleichen Firma)
wer hat an meinen Sohn gedacht, als er vor einem Jahr seine Lehrstelle Betriebsbedingt verlor (nach 1,5 Lehrjahren)

Wir haben es geschafft - aber nicht mit jammern sondern mit Eigeninitiative.............................
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon UnusualSuspect » Fr, 07.03.2008 0:06

Hallo vollesuppe, nur der Vollständigkeit halber: Leider nutzen viele Firmen die Stellenanzeigen als Marketing, um sich am Arbeitsmarkt interessant zu machen. Vor allem im Ingenieussektor ist es so, dass viele Stellen ausgeschrieben werden, nur um den Markt zu scannen. Ist dann wirklich mal ein ausserordentlich guter Bewerber dabei, wird eine Stelle "geschaffen", und zwar irgendwie. Prinzipiell gibt es diese Stellen aber nicht. Das ist auch seltsames Deutschland...

Ansonsten: Ich gebe euch recht, leider erfahren alle anderen Arbeitslosen auch keine Solidarität. Aber: Hier handelt es sich um eine etwas andere Situation, schliesslich haben wir uns pro aktiv das sofortige Ende des Abbaus gefordert. Das nimmt den Arbeitgeber der Bergleute nicht aus der Pflicht, wir sollten aber die besondere Situation schon im Hinterkopf behalten. Trotzdem: Es gibt Arbeit!
ROCK THE DSK !!!
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon Tina » Fr, 07.03.2008 0:42

UnusualSuspect hat geschrieben:Aber: Hier handelt es sich um eine etwas andere Situation, schliesslich haben wir uns pro aktiv das sofortige Ende des Abbaus gefordert. Das nimmt den Arbeitgeber der Bergleute nicht aus der Pflicht, wir sollten aber die besondere Situation schon im Hinterkopf behalten.

Wenn die DSK / RAG / EVONIK durch die Beben nicht unsere Nerven, unsere Gesundheit und unseren Lebensraum zerstört hätte, wäre das auch nicht so gewesen!
Also: In erster Linie haben die DSK / RAG / EVONIK ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern nachzukommen!!!
Und statt ihrer Pflicht nachzukommen, mit Hilfe der Gewerkschaft gegen uns zu hetzen ist mehr als hinterhältig!!!
Wobei ich stets bereit bin, auch den jetzigen Bergbaubeschäftigten zu helfen !!!
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon seabeben » Fr, 07.03.2008 8:26

Tina hat geschrieben:Wobei ich stets bereit bin, auch den jetzigen Bergbaubeschäftigten zu helfen !!!
[/quote]
Und nicht nur denen...wie gesagt,die Arbeitslosen,die noch damit zusammenhängen sind auch extrem Bergbaubetroffene!Ich denke da muß sich allgemein mal was in Deutschland was ändern... einmal das typische Opfer-Täter-Spiel und die,welche am lautesten schreien können ,denen wir geholfen und diejenigen,die nicht ständig für sich forden und einklagen werden nicht gesehen :cry: ..das haben doch auch wir mit unseren Demos seit Jahren gemerkt...

ich hoffe das alle Betroffenen dieses "verpennten" Wandels einen guten Ausgang finden ,wobei ich guter Dinge bin; aus den größten Krisen ist immer noch was wirklich Gutes entstanden,alleine schon deshalb ,weil man alles wieder überdenkt und sich für Neues öffnet
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Re: ZUM NACHDENKEN

Beitragvon Tina » Fr, 07.03.2008 9:41

seabeben hat geschrieben:Und nicht nur denen...wie gesagt,die Arbeitslosen,die noch damit zusammenhängen sind auch extrem Bergbaubetroffene!Ich denke da muß sich allgemein mal was in Deutschland was ändern...

Danke für die Ergänzung!
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