Der Börsengang der RAG wackelt

Ein erneutes Treffen fand am 25.4.2007 im Bundeswirtschaftsministerium zu den Satzungsfragen der geplanten Bergbaustiftung, sowie der Frage des künftigen Stiftungsvorsitzenden statt. Zusammengekommen waren die Unterzeichner des „Kohlekompromisses“ von Anfang Februar: die Ministerpräsidenten aus NRW und dem Saarland, Finanzminister Peer Steinbrück, Michael Glos, Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere, der IG BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt, sowie der RAG-Vorsitzende Werner Müller.

Nach den Gesprächen soll Jürgen Rüttgers mit deutlichen Worten ausgeführt haben, dass er im politischen Sinne nicht das Vertrauen zu Werner Müller als zukünftigem Vorsitzenden der Stiftung habe. Werner Müller hingegen habe geäußert, dass er die Verantwortung für 40000 Bergleute trage – sodann als Vorsitzender der Stiftung.

Nach entsprechenden Berichten hat Ministerpräsident Rüttgers zum geplanten Börsengang der RAG in Zusammenarbeit mit der Investmentbank Goldman Sachs, des Finanzinvestors KKR, des Chemiekonzerns Lanxess und des Energiekonzerns RWE eine Lösung erarbeitet, um den „weißen Bereich“ zu zerschlagen und getrennt zu veräußern, was den Börsengang der RAG nicht gefährden soll, aber aus Sicht des Steuerzahlers weitaus attraktiver wäre. Eine offizielle Stellungnahme der Landesregierung aus NRW gibt es bisher hierzu nicht. Bei der Kohlerunde am 25.4.2007 soll jedoch eine neue Prüfung für den Einzelverkauf angeordnet worden sein. Nach entsprechenden Angaben von Lanxess-Chemiekonzern wird allein der Degussa-Wert auf 4 bis 6 Milliarden Euro veranschlagt (nach Abzug der Schulden). Für den Börsengang einschließlich Steag und Immobilien wird bisher ein Erlös von 5 Milliarden Euro erwartet.

Des weiteren finden nun Gespräche zur Ausstiegsfinanzierung, um den Rückzug der heutigen RAG-Aktionäre Eon, RWE sowie Arcelor und Thyssen-Krupp, statt. Gemessen an der Bedeutung des Steinkohlebergbaus, scheint der Umbau der Eigentumsrechte eine Nebensache zu sein, aber für die betroffenen Unternehmen handelt es sich um eine wichtige Entscheidung, da sie ihre RAG-Pakete zu einem symbolischen Preis von einem Euro einer neuen Stiftung überlassen sollen. RWE erhebt nun den Verdacht, dass die RAG den lange sperrigen luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor erst durch eine Vorzugsbehandlung für den symbolischen Kaufpreis gewinnen konnte. Seitens der RAG wurde nun Arcelor die Option zum Kauf von Saar-Ferngas eingeräumt, nachdem der RWE, die schon vor längerer Zeit hierfür einen Kaufpreis von knapp 400 Mill. Euro geboten hatte, der Kauf durch das Bundeskartellamt im Februar untersagt wurde. RWE klagt gegen diese Untersagung hat aber kaum Aussichten, bis zum 30.6.2007 eine Freigabe durchzusetzen. Danach würde Saar-Ferngas zu unveränderten Konditionen an Arcelor gehen.

Doch seit Samstag vergangener Woche sprechen sich nun Politiker gegen die zuletzt erwogene Zerschlagung des Unternehmens aus. Auch Ministerpräsident Peter Müller lehnt dies ab, auch wenn der Erlös „etwas niedriger“ ausfalle, so sein Kommentar. Damit haben sich die Chancen des Chemiekonzerns Lanxess verschlechtert, Degussa zu übernehmen. Jedoch will Werner Müller weiterhin Saar-Ferngas an Arcelor-Mittel verkaufen und dem RAG-Anteilseigner noch eine Option an der Kokerei Prosper in Bottrop sowie weitere Vergünstigungen einräumen. Auf dem Landesparteitag der CDU-Nordrheinwestfalen bekräftigte Jürgen Rüttgers nochmals seine Aussage, dass er Werner Müller nicht an der Spitze der künftigen Stiftung akzeptieren werde.

Somit wird die Debatte über den geplanten Börsengang neu entfacht und bringt dadurch auch die Bewertung der Bergbaurisiken wieder ins Spiel.

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